Gesellschaftliches Engagement

Hahnenglocke

Glocke mit Hahn
1990er Jahre //
Gusseisen // Leihgabe
Evangelische Studierendengemeinde

Normalerweise hängt diese Glocke in Form eines Hahns in der Bar der Evangelischen Studierendengemeinde (ESG) und greift deren Logo, den „roten Hahn“ auf: So wie der Hahn im Matthäusevangelium auf die Leugnung des Petrus aufmerksam macht, möchte auch die Studierendengemeinde frühzeitig auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren und sich, wenn geboten, dem gesellschaftlichen Mainstream entgegenstellen. In diesem Sinne haben sich die ESG und ihr räumlicher und konfessioneller Nachbar, die Katholische Hochschulgemeinde (KHG), schon immer und tatkräftig für Geflüchtete und allgemein für eine gerechte Welt eingesetzt.

Ein besonders brisanter Fall ereignete sich im Jahr 2000, als der damalige ESG-Pfarrer einer elfköpfigen Familie trotz eines bereits ausgestellten Abschiebebescheids Kirchenasyl gewährte und sie in den Räumlichkeiten der ESG aufnahm. Er suchte das Gespräch mit dem rheinland-pfälzischen Innenministerium – als Antwort folgte aber ein Großaufgebot der Polizei, das den Zugang zur ESG abriegelte und Personenkontrollen durchführte. Der Fall erregte großes Medieninteresse, und es bildete sich ein Unterstützerkreis, der finanziell und ehrenamtlich bei der Versorgung der eingeschlossenen Familie half.

Die beiden Studierendengemeinden gehören zu den ältesten Institutionen an der Johannes Gutenberg-Universität. Dabei waren sie nie nur ein Anlaufpunkt für evangelische bzw. katholische Studierende, sondern blicken auf eine lange Tradition internationalen, gesellschaftspolitischen und konfessionsunabhängigen Engagements zurück.


Philipp König
Student der Kulturanthropologie/Volkskunde

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