Aufbaudienste

Arbeitsbescheinigung

Arbeitseinsatz-
Bescheinigung der
Johannes Gutenberg-
Universität
Mainz
1947 // Papier //
Universitätsarchiv

Die Notzeit der Nachkriegsjahre erforderte in vielen Bereichen ungewöhnliche und pragmatische Lösungen für die zahlreichen anstehenden Probleme. Auch beim Aufbau der Johannes Gutenberg- Universität Mainz fehlte es an Baumaterial, Einrichtungsgegenständen und Arbeitskräften. Um zumindest dem letztgenannten Mangel abzuhelfen, verfiel die Universität auf die Idee, Studierende für Tätigkeiten heranzuziehen, die im Rahmen des Aufbaus zu erledigen waren.

Gemälde vom Wiederaufbau der JGU

Nachdem 1946 ein Aufruf zur freiwilligen Mitarbeit weitgehend ungehört verhallt war, führte die Universität zum Wintersemester 1946/47 einen Pflichtdienst ein, der von allen Studierenden 150 Arbeitsstunden im Semester vorsah. Ausgenommen von der Dienstpflicht wurden ausländische Studierende, Kriegsgeschädigte, Verfolgte des NS-Regimes und verheiratete Studierende. Die Arbeiten reichten dabei von Unterstützung beim Auf- und Umbau der Gebäude über Gärtnerarbeiten im Botanischen Garten bis hin zu Hilfstätigkeiten für die Universitätsbibliothek. Über die geleisteten Dienste erhielten die Studierenden eine Bescheinigung, die für die Anrechnung des Semesters erforderlich war.

Nach und nach wurden die Pflichtstunden reduziert, bis nach dem Sommersemester 1949 der Arbeitseinsatz ganz abgeschafft und in einen bezahlten freiwilligen Dienst umgewandelt wurde. Studentisches Engagement hatte so in der Nachkriegszeit eine besondere Bedeutung. Wenn auch oft nicht ganz freiwillig, so trugen die Studierenden der ersten Stunden doch maßgeblich dazu bei, ihre Universität aufzubauen und einrichten.

Christian George

Leiter des Universitätsarchivs

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