Hegen und pflegen, sammeln und ordnen

Samensieb

Sieb und Stößel
zum Bearbeiten von
Samen
um 2000 // Holz,
Metall // Botanischer
Garten

Arbeitstagebuch
Max Top // 1950 //
Pappe, Papier //
Botanischer Garten

7.1. [1950] – Sonnabend: Dienst: Hohmann – Dirzik. Stacheldraht in der Westecke des Grundstücks entfernt. Müller ackert. Stellageneisendraht einbetoniert. Sperling heiratet. Samen geputzt. Singapor Sämlinge pikiert u. eingetopft. Sperling Hochzeit (Gärtner).

Arbeitsvorgänge und -vorhaben, Dienstpläne, Krankheitstage, aber auch wichtige persönliche Ereignisse im Mitarbeiterkreis, all dies notierte Max Top (1895-1986), der erste technische Leiter des Botanischen Gartens an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, zwischen 1950 und 1957 in schmalen, vorgedruckten Kalendarien. Die täglichen Routinen, aber auch besondere Ereignisse in diesen Aufbaujahren lassen sich so genau nachvollziehen. Gleich nach der Wiedereröffnung der Universität begann man mit der Anlage des Gartens, um Pflanzen für Lehre und Forschung bereit zu stellen.

Viele Tätigkeiten, die Top festhält, sind der Aufbauzeit zuzurechnen oder werden heute mit moderneren Gerätschaften ausgeführt. Es finden sich aber durchaus auch Aufgaben, die sich bis in die Gegenwart erhalten haben – so das „Samenputzen“, das regelmäßig in Tops Aufzeichnungen auftaucht. Die Samen der Gartenpflanzen werden heute immer noch systematisch geerntet, mit feinen Sieben und Stößeln von anderen Pflanzenteilen getrennt, in Tütchen verpackt und in Sammlungsschränke einsortiert. In einem seit Tops Zeiten jährlich erscheinenden Index Seminum werden die aktuell abzugebenden Samenarten notiert. Dieser Samenkatalog wird mit rund 500 botanischen Gärten weltweit ausgetauscht, um gegenseitig Erhalt und Ausbau der Pflanzensammlungen zu unterstützen.

Vera Hierholzer

Leiterin der Sammlungskoordination

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