Die Universalisten

Chip

Schlüsselchip
2014 // Kunststoff //
Schule des Sehens

Entwurfszeichnung
einer Pedellrobe
Fa. Assmann in Lüdenscheid
// 1953 //
Papier // Universitätsarchiv>

Hausmeister sind für den Betriebsablauf vieler Institutionen unverzichtbar. An den Universitäten nahmen sie lange zusätzlich eine Sonderstellung ein – davon zeugt bis heute die Berufsbezeichnung des „Pedells“, die noch an vielen Universitäten verwendet wird. Diese leitet sich aus dem mittelhochdeutschen „Bitel“ für „Büttel“ ab.

Der Pedell erfüllte bis in die Frühe Neuzeit neben hausmeisterlichen Pflichten primär die Funktion des Boten und Gerichtsdieners. Als Hüter der Hausordnung war er Exekutive der eigenständigen universitären Gerichtsbarkeit und überbrachte Vorladungen an Studenten, die gegen die Statuten der Universität verstoßen hatten. Er vollstreckte Geld- und Disziplinarstrafen und hatte eine zeremonielle Stellung inne, indem er bei Festen als Platzanweiser fungierte und dem Rektor das Zepter voraustrug.

Mit der Berufsbezeichnung erhielten sich bis in die Moderne auch Reste repräsentativer Aufgaben. Entwurfszeichnungen für besondere Pedellroben belegen dies auch für die 1946 wiedereröffnete Mainzer Universität. Die Amtstrachten der Pedelle kamen hier bis in die ausgehenden 1960er Jahre bei zeremoniellen Anlässen zum Einsatz.

Heute überschneiden sich die Aufgaben der Pedelle nur noch teilweise mit ihren ursprünglichen Tätigkeiten, insbesondere hinsichtlich der Kontrollgänge und Schließdienste, die einen Großteil ihrer Arbeit ausmachen. Statt großer Schlüsselbünde werden dabei inzwischen vielfach moderne Schlüsselchips genutzt. Zudem üben die Pedelle Verwaltungsaufgaben aus, beispielsweise die Postzustellung und die Raumvergabe. Ihre Arbeit bleibt also vielseitig.

Matthias Muno

Student der Kunstgeschichte und Archäologie

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