Zettelwirtschaft und bunte Pulver

Zettelkasten

Zettelkasten
1971-76 // Holz,
Papier // Leihgabe
Maria Böhmer

Reagenzgläser
mit verschiedenen
Salzen
um 2004 // Holz,
Glas, Kork, Salze //
Chemisches Lehrlabor

Für Geisteswissenschaftler ist es unverzichtbar, viel zu lesen und zu schreiben – das ist ein gängiges Klischee, das aber durchaus der Realität entspricht, auch heute noch im Zeitalter der Digitalisierung. Bücher und Stifte bzw. Online-Publikationen und Computer waren und sind dabei die Hauptinstrumente. Zahllose Notizen und umfangreiche Materialsammlungen liegen wissenschaftlichen Arbeiten zugrunde. Was heute häufig in digitalen Ordnern und Datenbanken verwaltet wird, hielt die Bundestagsabgeordnete und Staatsministerin im Auswärtigen Amt Professorin Maria Böhmer (*1950) noch auf Karteikarten fest – wie viele andere zu ihrer Zeit an der Universität Mainz. Sie studierte hier von 1968 bis 1971 Mathematik, Physik und Pädagogik, promovierte 1974 und war bis zu ihrer Habilitation 1982 wissenschaftliche Mitarbeiterin. Der Zettelkasten, der sie durch ihr wissenschaftliches Leben begleitete, enthält Lesefrüchte mit Quellenangaben und Literaturverweisen, säuberlich sortiert nach Themengebieten und Schlagworten.

Die Naturwissenschaften kommen meist mit weniger Papier und Schrift aus, der Umgang mit Substanzen und Gegenständen steht im Vordergrund. Reagenzgläser gelten als ihre Insignien – und in der Tat sind sie wichtige Arbeitsutensilien, z.B. gefüllt mit Metallsalzen, die als Probesubstanzen für Nachweisreaktionen dienen. Über spezifische Farbreaktionen müssen die Bestandteile der Salze oder Salzgemische identifiziert werden – nicht nur von Studierenden der Chemie, sondern auch von angehenden Chemielaborantinnen und -laboranten. Denn die Mainzer Universität bietet neben Studien- auch zahlreiche Ausbildungsplätze.

Vera Hierholzer

Leiterin der Sammlungskoordination

Anke Wichmann

Studentin der Kulturanthropologie/Volkskunde

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