Theater en miniature

Bühnenbild Modelle

Theatermodell
Hans Günther Weber //
1950 // Holz, Papier,
Pappe, Draht // Leihgabe
Klaus Weber

Hallo Sie da! Was gucken Sie denn so? Wissen Sie, was ich bin? Nein? Ich bin ein Theatermodell. Ich habe die Fähigkeit, Ihnen das Gefühl zu geben, bei einem Theaterauftritt unmittelbar dabei zu sein. Dafür müssen Sie lediglich durch mich durchschauen. Ich zeige nicht nur ein Stück, sondern habe viele verschiedene im Angebot: von Richard Wagners „Fliegendem Holländer“, über Goethes „Faust“ bis hin zu „Horribilicribrifax“ von Andreas Gryphius. Ganz schön spannend, oder?

Dass es mich gibt, haben wir meinem Schöpfer Hans Günther Weber (1927-2002) zu verdanken. Er war als angehender Kunsterzieher einer der ersten Studenten der Universität Mainz, und er erlebte den Wiederaufbau nach dem Krieg hautnah mit, denn er musste dabei neben seinem Studium tatkräftig mit anpacken. Eine seiner größten Leidenschaften war das Theater. Für manche Aufführung der studentischen Theaterspielgemeinschaft zeichnete er Bühnenbildentwürfe. Er hatte immer den Wunsch, als Bühnenbildner zu arbeiten und erfüllte sich diesen, in dem er mich Ende 1950 als Abschlussarbeit seines Studiums liebevoll gestaltete.

Die Epoche, in der ich erschaffen wurde, steht für Neuanfänge, Umbrüche und Veränderungen. Die Nachkriegsjahre waren eine schwierige, entbehrungsreiche Zeit für viele Menschen, wodurch sich mein Erbauer jedoch nicht abhalten ließ: Ohne finanzielle Mittel kreierte er mich aus einfachen, wiederverwendeten Materialien. So bastelte er auch viele andere Dinge, wie Brettspiele oder Puppen, mit denen er von Dorf zu Dorf zog und selbstgeschriebene Stücke vorführte.

Jenny Bauer, Lisa Reuter

Studentinnen der Kulturanthropologie/Volkskunde

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