Ein besonderes Ritual

Doktorandenwagen

Festwagen zur
Promotionsfeier
aktuelle Dekoration
von 2016 // Holz,
Metall, Gummi, Stoff,
Pappe // Fachbereich
Chemie, Pharmazie
und Geowissenschaften

Die Erstellung einer Doktorarbeit ist zumeist ein mühsames und langwieriges Unterfangen. Wer es aber geschafft hat und auch die mündliche Prüfung in Form einer Verteidigung der vorgelegten Thesen erfolgreich besteht, den erwartet an der Mainzer Universität insbesondere in den naturwissenschaftlichen Fächern ein besonderes Abschlussritual. Bereits Wochen zuvor kümmert sich die Arbeitsgruppe des jeweiligen Prüflings um den Aufbau eines ganz persönlichen Festwagens. Bilder werden gesammelt und mit viel Humor und Liebe zu Collagen zusammengefügt, deren Bildsprache mitunter nur den Eingeweihten so recht verständlich ist.

Am Tag des Abschlusses wird der Wagen dann um Lautsprecher und Getränke ergänzt. Der oder die frisch examinierte Doktorand/ in nimmt auf einem Stuhl Platz und darf nun mit der Doktormutter oder dem Doktorvater als Zugpferd vorneweg und den hinter dem Wagen laufenden Familienmitgliedern und Freunden eine letzte Campusrunde drehen. Diese führt über das gesamte Universitätsgelände zunächst zur Büste von Johannes Gutenberg am Haupteingang, die mit einem Kuss verabschiedet wird. Anschließend geht es weiter in Richtung Philosophicum, zur Bronzeplastik „Mann mit Pferd“, die seit 1968 den Eingang des Gebäudekomplexes ziert. Hier muss noch das Pferd bestiegen werden, bevor der Zug sein Ende findet und schließlich die eigentliche Feier beginnen kann.

Dieser Festzug mit seinen eigenen Ritualen symbolisiert gleichsam den Übergang vom Studierenden- zum Gelehrtenstatus und markiert auf diese besondere Weise den Abschluss eines alten und den Beginn eines neuen Lebensabschnitts.

Laura Blauschmidt

Studentin der Kulturanthropologie/Volkskunde

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