Traditionsreiche Feste, ausgelassene Partys und kulturelles Engagement

Rektoratsübergabe

Fotografie der
feierlichen Rektoratsübergabe
im
Mainzer Theater
1966 // Papier //
Universitätsarchiv

Die Amtsübergabe vom alten an den neu gewählten Rektor der Universität wurde bis zum Jahr 1968 mit einem festlichen Spektakel im Mainzer Stadttheater begangen, von dessen feierlicher Atmosphäre das Foto nur unzureichend Kenntnis gibt. Die Ausstaffierung der Würdenträger – von den zeptertragenden Pedellen über die Universitätsprofessorenschaft bis hin zu den Rektoren mit Talaren und Ehrenzeichen – sollte die 1946 wiedergegründete Mainzer Universität in die Tradition der Anfang des 19. Jahrhunderts aufgehobenen alten Mainzer Universität stellen. Spätestens mit der Protestgeneration der sogenannten 1968er gerieten solche altehrwürdigen Festakte jedoch in Verruf.

Wertneutral betrachtet zeigen derartige Amtstrachten aber auch an, dass die Universitäten bis in die heutigen Tage ein Raum für eigene Rituale und Feste geblieben sind. So lassen sich neben der allgemeinen Partykultur, die nicht spezifisch universitär ist, immer wieder Formen des Feierns – wie beispielsweise die speziellen Umzüge zu Ehren frisch Promovierter – finden, die spezifisch für die Universität sind.

Studierende feiern aber nicht nur ausgelassen und genießen das, was andere darbieten, sie stehen vielmehr selbst auf den Bühnen und agieren hinter den Kulissen. Ehemalige Mainzer Studenten wie Hanns Dieter Hüsch und Mario Adorf haben ihr künstlerisches Engagement im Studium später sogar höchst erfolgreich zum eigentlichen Beruf gemacht. So entstand damals und entsteht auch heute noch ein überaus lebendiges Festwesen, wie es typisch für die Mainzer Universität und nicht nur für diese ist; und ebenso typisch dürfte wohl sein, dass die akademische Festkultur wiederum zuweilen selbst Gegenstand wissenschaftlicher Forschung werden kann.

Patrick Schollmeyer

Kurator der Schule des Sehens

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